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MeinungVeroeffentlicht 15.04.2015 um 04:48 Uhr MeinungAutor von kanga MeinungKommentar 1

Was ist Ihnen persönlich wichtig im Leben?

Perspektive statt Befristung

Nach MINT-Studium, Promotion, 9 Jahren befristeten Stellen (an 6 Wohnorten seit Abschluss der Promotion) möchte ich endlich eine Perspektive. Mit Ende Dreißig, Ehepartner und zwei Kindern möchte ich nicht mehr umziehen. Auch hätte ich gerne die Gelegenheit gehabt, schwanger zu werden, ohne dass mein Vertrag auslaufen gelassen wurde, was mich beruflich mehrmals zu einem kompletten Neuanfang zwang. Ich hätte auch gerne für die Kinder beruflich etwas kürzer getreten, aber in "Dauerprobezeit" ist das nicht möglich.

Unglücklicher Einzelfall? Nein, zehntausende Akademiker kämpfen in Deutschland mit demselben Problem - fragen Sie mal an Universitäten, Forschungseinrichtungen (Fraunhofer, MPI, Helmholtz usw. mit Befristungsraten >70-80%), großen Firmen mit Forschungsabteilungen usw., wo heute noch Berufseinsteiger unbefristet eingestellt werden.

Warum gibt es in Deutschland gerade bei Höherqualifizierten immer weniger Kinder? Wie, immer noch nicht den Zusammenhang verstanden?

Was macht Ihrer Meinung nach Lebensqualität in Deutschland aus?

Arbeit kein "Luxus"

(Bezahlte) Arbeit gilt heutzutage als Luxus, nicht selten hört man: "Berufseinsteiger sollen sich nicht einbilden, dass eine Ausbildung/ ein Studium sie berechtigt, auch gleich eine Stelle zu bekommen." - Wie bitte? Sollte es nicht normal sein, dass jeder, der kann, sich durch Arbeit sinnvoll in die Gesellschaft einbringt, und ihm dafür dann umgekehrt auch einen angemessener Lebensunterhalt zugesprochen wird?

Und sollte es nicht normal sein, dass die Lehrjahre irgendwann (z.B. nach abgeschlossener Ausbildung/ Studium) in absehbarer Frist als absolviert gelten? Wie kann es gesellschaftlich sinnvoll sein, dass man Berufseinsteiger heute ganz selbstverständlich zwingt, sich endlos durch Praktika, Werkstudenten-Tätigkeiten, Trainee-Stellen, jahrelange befristete "Einstiegs"stellen und Probezeiten zu quälen, um sich irgendwann als Fernziel vielleicht einmal den "Luxus" (bezahlte) Arbeit zu verdienen?

Arbeit sollte kein Luxus, sondern für jeden erreichbar sein, der sich bemüht.

Kommentare: 1

  • Danke für den Beitrag. Sehe das Ganze ähnlich. Unser Sohn hat jetzt im Alter von 5 Jahren schon 3 Umzüge und 4 verschiedene Kitas mitmachen müssen, während mein Mann und ich verzweifelt (und weitestgehend erfolglos) versuchen, uns sowohl berufllich für eine Festanstellung zu bewähren (die aber nicht mal am Horizont auftaucht, solche Stellen scheinen gar nicht mehr geschaffen zu werden) und trotzdem auch noch ein kleines bisschen Familienleben möglich zu machen. Ist nur schwierig, wenn jede freie Minute mit Bewerbungen draufgeht und Urlaube mit Interviews und Umzügen verplempert werden, die darüber hinaus auch jedesmal unsere kärglichen Ersparnisse gleich wieder aufzehren. Und Freunde, Hobbies, Anmeldung zur Musikschule (bei Wartezeiten länger als Vertragslaufzeit) usw. kann man sowieso vergessen...