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MeinungVeroeffentlicht
14.07.2015 um 13:55 Uhr
MeinungAutor
von IngoGert
MeinungKommentar
Was ist Ihnen persönlich wichtig im Leben?
Angemessene Bezahlung von Forschern
Liebe Mitbundesbürger,
Seit Jahrzehnten wird in der breiten Bevölkerung angenommen, dass wenn vor allem junge Menschen sehr viel Zeit, Energie und auch Geld in die Bildung investieren, diese auch langfristig betrachtet einen höheren Gehalt erhalten.
Ich bin zur Zeit ein Student in der Chemie und den Biowissenschaften und ich war bis vor kurzem in einem staatlichem Forschungszentrum und hier kommt meine Sorge für meine Zukunft.
Viele Forscher bekommen nur 1 Jahres Verträge und müssen im Anschluss eine neue Stelle Suchen, viele Forscher arbeiten zum Teil wenn es umgerechnet wird für nur 2.40€ die Stunde. Es wird nach Tarif bezahlt, jedoch ist in Wirklichkeit der Großteil der Wissenschaftler 10-12 Std. im Institut und auch an fast jedem Samstag und Sonntag bin ich Kollegen im Institut über den Weg gelaufen. Weiterhin kommt noch, das die Forscher nach der Arbeit im Institut auch noch daheim einen Großteil der mentalen Kraft für Ihre Forschung investieren.
Es wird noch schlimmer.
Was macht Ihrer Meinung nach Lebensqualität in Deutschland aus?
Keine Existentiellen Ängste, jedoch Druck zur Verbesserung.
Für mich wird eine hohe Lebensqualität erreicht wenn ich ohne Sorgen Ruhen kann.
Es sind Sorgen, wie der Abbau von Forschungsstellen in der Bundesrepublik und eine Bezahlung, die nicht für den kommenden Nachwuchs ausreicht, die mich nicht Ruhen lassen. Um eine Familie zu Gründen möchte ich Persönlich Sesshaft sein, mit dem Partner ein gemeinsames Zuhause haben, um damit das Fundament für ein erfülltes Leben zu legen.
Jedoch sind fast alle Verträge in der Branche befristet und das Problem wird schlimmer, wenn der Partner im Selben Bereich Tätig ist und dadurch kommt es zu dieser inneren Unruhe, die die Lebensqualität einschränkt.
Lebensqualität für mich ist ein schönes Zuhause in einer Region, die man sein Heim nennen kann, mit Frau und Kindern, die man über alles liebt und einer Stelle in der Forschung um die Naturgesetzte weiter auszureizen und mit seinen Interessen die Menschheit ein Quäntchen weiterbringen.
Kommentare: 3
In unserem Labor wurde schon ein Laborant meines PostDocs entlassen. Naja Vertrag halt nicht verlängert. Die Person geht jetzt in die Industrie. Da in der Industrie nicht publiziert wird hat diese Person kaum eine Chance wieder zurück in die akademische Forschung zurück zu kehren. Und die Forschung der Industrie wird outgesourced. Als rohstoffarmes Land ist das Fatal.
Ich habe einen Beitrag zum gleichen Thema geschrieben. Es ist doch erbärmlich, dass gerade denen, von denen erwartet wird, mit ihren Innovationen die Zukunft dieses Landes zu sichern, gleichzeitig verweigert wird, einfach nur eine normale Familie gründen zu können. Wer es trotzdem tut, wird verstoßen. Wer nach 6 Jahren nicht das Glück hatte, eine bahnbrechende Entdeckung vorweisen zu können (oder genug Publikationen), wird verstoßen. Prekärste Verhältnisse im wichtigsten Bereich der deutschen Zukunft, der Forschung - wie schizophren darf es denn noch sein? Wer Sicherheit für sich sucht, kehrt diesem System den Rücken, geht als Vertreter hausieren, oder ins Ausland, aber er/sie geht, mit allem Wissen und aller Erfahrung, Deutschlands Wissen-Schaft verloren. Traurig. Änderung dringend erforderlich!
(Es ist gut, dass dieses Thema hier doch einige anschneiden. Weitersagen!
Ich komme aus der biologischen Forschung und muss diesem Beitrag völlig Recht geben! Es ist zum Einen das Gehalt, aber auch zum Anderen die geringen Perspektiven und Planungsunsicherheiten (Kurzzeitverträge!). Ein wirklichen Aufstieg nach der Doktorandenstelle ist in Deutschland schwerer möglich. Mehr Assistenz- und Juniorprofessorenstellen müssten geschaffen werden. Doktoranden werden "ausgenutzt" als billige Arbeitskraft im Labor, weil PostDocs zu teuer sind. Dabei bringt erst ein PostDoc mit seiner Erfahrung die wissenschaftliche Forschung sehr viel mehr vorran.